Hallo zusammen,
am vergangenen Wochenende in der Nacht vom 15. Auf den 16. Februar verbrachte ich eine
tolle Beobachtungsnacht mit 7 weiteren Sternfreunden aus dem oberbergischen Land Nähe
Gummersbach.
Nachdem ich mich am Freitag Mittag um 14Uhr auf die Socken machte, kam ich um ca 18Uhr
nach knapp 300Km Fahrt bei meinem Kumpel Yves Klüver an, Kurt Schreckling war auch schon
vor Ort und nach einem herzlichen Hallo fuhren wir dann zum Beobachtungsplatz der sich auf
einer Anhöhe außerhalb der kleinen Ortschaft befand.
Nach und nach fanden sich noch weitere Sternfreunde ein, an Teleskopen waren von einem
4" Vixen ED-Refraktor über 6" Tal, 8" Birkmaier-Dob, 10" GSO,
10" Selbstschliff + Selbstbauplatform, 12.5" modifizierter Meade Starfinder-Dob
und mein 15" F/5 Discovery Gitterohr Dobson vertreten.
Nachdem sich der Mond verzogen hatte betrug die visuelle Grenzhelligkeit ca 5.8 Mag,
später sogar 6.2 Mag in den Zwillingen.
Ich kann unmöglich alle beobachteten Objekte aufzählen, es waren derer zuviele und
beschränke mich deshalb auf die Kracher die mir vor den 15er kamen.
Zunächst waren zum Warmmachen ein paar planetarische Nebel in der Gegend von Orion und
Hasen dran: NGC 2022 PK 196-10.1, kleines, graues, strukturloses Scheibchen, hell,
0.5x0.4' Mag 12.8, und da war noch Ngc 2438, PN im Heck des Schiffs, 1.1x1.1' Mag 11 der
etwas ausser der Mitte vor dem offenen Sternhaufen M46 stand und schön anzusehen war.
Auch Yves winziger lieblings-PN IC418 im Hasen machte sich gut und offenbarte bei höherer
Vergrößerung den 10 Mag hellen Zentralstern in dem 12" kleinen aber hellen
Nebelscheibchen.
Aufgrund des immer noch kochenden Spiegels (15.5Kg) und des nur mäßigen atmosphärischen
Seeings war an eine vernünftige Beobachtung der Planeten nicht zu denken, Saturn zeigte
nur eine halb herumlaufende Cassini, der Rest ging im Blubbern unter.
Yves 12.5er ging es auch nicht viel besser und Kurt konnte sich die lästerhafte Bemerkung
nicht verkneifen, falls ja jemand kalte Finger hätte könne er sie sich an den Spiegeln
der beiden Lichteimer wärmen - na warte ;-)
Nach dieser ernüchternden Expertise also wieder Deepsky: M42 zeigte unglaublich viele
Strukturen und füllte fast das 1,2° Blickfeld des 30er Okus aus, das Trapez bestand aus
6 Sternen, die bei höherer Vergrößerung sichtbar wurden. Etwas weiter oben im
Oriongürtel versuchte ich mich mit Yves mittels geliehenem 2" H-Betafilter am B33
dem Pferdekopfnebel, der leider aber nur sehr schwach als dunkler Fleck vor der
Hell-Dunkelgrenze von IC434 konturlos geradeso auszumachen war, dafür zeigte sich
NGC2024, der flammende Baum ohne Filter mit zahlreichen dunklen faserigen Strukturen, hier
brachten weder H-Beta, UHC noch OIII einen nennenswerten Kontrastgewinn. Ein lohnenderes
Objekt für den H-Beta war NGC 1499 der riesige Californianebel im Perseus, der sich
schwach aber strukturreich vom Hintergrund abhob, allerdings passte er bei knapp 3° bei
weitem nicht mehr ins Blickfeld meines 30er Okulars.
Rüber gings zu NGC 2237-39 dem Rosettennebel und dem offenen Sternhaufen NGC2244, ohne
Filter war nur der Sternhaufen und eine Ahnung des Emissionsnebels zu erspähen, dies
änderte sich schlagartig nach dem Einschrauben des OIII ins 30er Wild-Herbrugg Okular,
als wenn jemand das Licht im Nebelzentrum angeknipst hätte, das Objekt ist sehr groß und
passte geradeso ins Blickfeld, es war von unzähligen feinen filamentartigen Fasern
durchzogen, noch feiner als ich sie von diversen Aufnahmen kannte, ähnlich der Filamente
in den Cirrusnebeln - wow das hat was. Einen tollen Anblick lieferte hier auch noch der
8" F/6 - Birkmaier Dob der mit 2° genau das richtige Blickfeld für dieses Objekt
parat hatte und die Form des Nebels noch besser rüberbrachte, allerdings etwas auf Kosten
des Detailreichtums.
Ein Blick nach Norden zeigte den großen Wagen schon in annehmbarer Höhe über den
Bäumen die in dieser Richtung erst ab ca 55-60° den Himmel freigaben, hier war M97 der
mit dunklen Augen frech zu uns herunterglotze das erste Objekt im Okular, mit dem
1.25" UHC-Filter zeigte er sich bei 180x im 10.5mm Pentax von seiner besten Seite mit
einem Stern in der Mitte.
Im Großen Wagen stieß ich hie und da auf eine oder zwei bislang unbekannte Galaxien,
welche Yves anhand der Sternkarte auf seinem "Schlepptop" identifizierte, z.B.
NGC 3718, 3729, der Haufen Abell 1377 mit NGC 3898, 3888, 3846, und noch einige außerhalb
des Clusters, ich hätte gar nicht gedacht dass dort soviel los ist :-)
Danach wurde es langsam "fett" denn das Haar der Berenike mit dem Coma-Haufen
und die Jungfrau mit dem Virgo-Haufen gewannen zusehends an Höhe und etliche Galaxien
lagen auf dem Präsentierteller.
NGC 4565 u 4631 waren hierbei die größten und zeigten einiges an Detail, auch über ein
Double der Antennengalaxien NGC 4038/39 stolperte ich, eine genaue Identifizierung steht
aber noch aus, möglicherweise handelte es sich um NGC 3395/96 mit einer Helligkeit von
12.1Mag obwohl ich den Winkel der Galaxien zueinander auf ca 35-40° schätzte und NGC
3395/96 es auf ca 90° bringt. Später stellten Yves und ich unabhängig voneinander fest
dass es sich um NGC 4567-68 im Virgohaufen handeln musste, NGC 4567 mit einer Helligkeit
von 11.3 Mag, Größe 3.1x2.2 und NGC4568 10.8 Mag bei 4.6x2.2
Mitunter hatte ich 6-8 mittlere und noch einige kleinere Galaxien im Okular, an eine
eindeutige Identifizierung war garnicht zu denken, dies hätte wahrscheinlich mehrere
Stunden in Anspruch genommen, so schwenkte ich genüsslich mit dem 30er Okular durch die
"offenen Galaxienhaufen" und ergötzte mich an der großen weiten Welt.
Yves 12.5er Meade-Spiegel schlug sich auch wacker und zeigte kaum weniger Details, wenn
auch etwas dunkler in dem Galaxiengewusel. Die Besitzer der kleineren Öffnungen schauten
ab und zu auch einmal durch die beiden "Dicken" und öfter wie einmal vernahmen
Yves und ich Worte wie "das glaub ich nicht" oder "das gibt's doch
nicht", wie es aussah hatten die beiden größeren Spiegel bei einigen 8 u 10"
Besitzern das Öffnungsfieber entfacht, andererseits beneideten wir die kleineren
Öffnungen um ihre größeren Blickfelder.
Gegen Morgen, um halb 5 nachdem wir die Kugelsternhaufen M13,3 u 53, die spiralige M51 mit
durchgehendem Gezeitenschweif zu ihrer Begleitgalaxie NGC5195, dann noch M101 in
Augenschein nahmen und sich die anderen Sternfreunde verabschiedet hatten packten Yves u
ich mit steif gefrorenen Fingern die Newtons wieder ein und beglückwünschten uns noch
bei einer Flasche Bier zu der äußerst gelungenen Beobachtungsnacht.
Gruß u klaren Himmel