Kleine Odyssee im Pfälzer Wald 10.12.04
nach einem Telefonat am 10.12.04 hatte ich mich mit Stefan Möhnen, Kurt Schreckling
und Klaus Rick (die beiden letztgenannten hatten immerhin gut 250Km Anreise hinter sich)
auf dem Hermersberger Hof im Pfälzer Wald verabredet.
Leider wurde just zum Zeitpunkt der Ankunft der Beobachtungsplatz von lokalen dicken
Nebelschwaden heimgesucht :-(
Nun im Norden war es noch klar und nun galt es nördlich auf noch annehmbarer Höhe auf
die
Schnelle ein Platz zu finden. Nur ein paar hundert Meter von Stelle lachte uns schon der
Orionnebel
durch die Bäume entgegen, eine FST-Schnellschätzung ergab ca min 6m5, leider war weit
und breit
keine Lichtung in Sicht wo man hätte ein paar Teleskope aufstellen können. So fuhren wir
noch ein
paar Kilometer nordwärts und fanden glücklicherweise noch einen Platz auf ca 450m der ca
knapp
6m hergab. Reichlich Platz für die Fahrzeuge, waagerechter asphaltierter Boden für
ausgewachsene
Dobsons und ein paar Tische und Bänke (die wohl für müde Wanderer gedacht waren) für
Okularkoffer
und Kaffeetassen entschädigten etwas die fehlende Grenzgröße.
Mit von der Partie war mein 21" F/4.5 "Godzilla" der schon mehrere Wochen
auf Entzug war und nun
nach weitgereisten Photonen gierte :-)
Beobachtet wurde wieder alles mögliche, vornehmlich kamen aber die flächenhellen Objekte
wegen des
transparenzmindernden Dunstes am besten zur Geltung, hier ein paar Highlights die mir noch
recht gut
im Gedächtnis geblieben sind.
-M1, Supernovarest Stier, 16er Nagler+UHC, 148X:
hell und strukturiert, ganz wie Lord Rosse eindeutig mehrere Filamente gesehen
-M37, OC Fuhrmann, 27er Panoptik, 88X:
wunderschöner heller offener Sternhaufen, ein paar hundert Diamanten drängen sich locker
aufgelöst in einem das halbe Blickfeld füllenden Bereich, fast mittig im Vordergrund ein
noch
hellerer rötlicher Stern der einen schönen Kontrast zu den weissen Hintergrundsternen
bildet.
Im 130/542mm Newtonfinder ebenso ein schöner Anblick, hier wird der Haufen im gleichen
Okular bei 20X und 3.5° Feld auch schon aufgelöst, doch wirkt er hier wesentlich
kompakter was in Verbindung mit der Wintermilchstrasse auch seinen Reiz hat
-NGC2261, Hubble's veränderlicher Nebel, Reflexionsnebel Einhorn, 7mm Pentax 338X:
wirklich beeindruckend, dreieckiger Nebel, am hellsten an der Spitze, gegenüber
ausgefranster
Übergang zum Hintergrund, an einer Seite bildet er noch ein lange gewundene Nebelfahne
aus, die
sicher die doppelte Länge des Nebels hat
-M82, Bode's Nebel, Galaxie Ursa Major, 7mm 338X:
bei dieser Vergrößerung blickfeldfüllend und immer noch sehr hell, Struktur im
zentralen,
die Galaxie diagonal teilenden Staubband gesehen,ebenso etliche weitere Knoten in
der
1:2.5 elongierten Galaxie.
Kurt dachte mittlerweile über eine Neudimensionierung seine "Opi-Scopes" nach
:-)
-IC443 Supernovarest Zwillinge 27mm Panoptik OIII, 88X:
leider kein Objekt bei diesem Himmel, trotzdem den hellsten mittleren Bereich gesehen,
runder
Nebelknoten mit länglichem Ansatz, unspektakulär
NGC 2024, Flammennebel Orion, 16mm Nagler UHC 148X:
bei gut einem halben Grad Blickfeld lässt sich Zeta Ori gerade noch aus dem Feld
halten, der
Nebel wird von einer recht breiten dunklen, stammartigen Struktur durchzogen die sich weit
bis in den
kreisförmigen Nebel verzweigt, ein ästhetischer Anblick
-M42, Orionnebel, Trapez, Huygens-Region 88-338X:
Hammer!! tiefgrün glüht die reich strukurierte Nebelmasse und bläst in einem wahren
Photonensturm die Dunkeladaption ins Nirwana, das Trapez ist schon bei
Minimalvergrößerung
in 6 Sterne zerlegt, bei höherer Vergrößerung gesellen sich noch einige in der
unmittelbaren
Nähe dazu, der Hintergrund ist von unzähligen Nebelfilamenten und Dunkelwolken
durchzogen und
wirkt auch bei 338X noch grünlich.
NGC2392 Eskimonebel (PN) Zwillinge, 5.2mm Pentax, 455X:
bei dieser Vergrößerung ein dicker Brocken dicht neben einem 8m Stern,der 10m5 helle
Zentralstern
ist gut sichtbar, dann kommt ein dunkler Hof der von einem polygonförmigen hellen Ring
eingeschlossen
wird, dann kommt wieder eine dunklere Ringzone an die sich ein wiederum hellerer
Aussenbereich anschließt
dieser ist unterschiedlich strukturiert bzw auf einer Seite heller und stellt das Smilie
dar
Saturn, 5.2mm Pentax, 455X:
bei ausgesprochen gutem Seeing präsentiert sich der Herr der Ringe von seiner besten
Seite, mehrere farbige
Wolkenbänder, eine fett umlaufende Cassini, ein deutlicher Florring und Farben im
Ringsystem sind ganz
leicht zu sehen, er steht quasi da wie gemeißelt. Ebenso deutlich sieht man die
reduzierte Ringöffnung
an dem kleinen Knubbel wo der Pol des Planeten über den Ring steht. Über die
Sichtbarkeit der Enketeilung
gingen die Meinungen etwas auseinander, Klaus meinte sie gesehen zu haben, Kurt war etwas
skeptischer und
meinte es könne sich auch um einen kleinen Seeingeffekt handeln
Leider blieb der Komet Machholz hinter den Bäumen verborgen, nur Stefan erwischte ihn mit
dem
Feldstecher, aber das nächste mal ist er dran :-)
Gegen 2:15 war Schicht, alles war nun in eine dicke Nebelsuppe eingehüllt die keine
Beobachtung mehr
zuließ, trotzdem kann man die Nacht als sehr gelungen bezeichnen, zu keiner Zeit kam
Langeweile auf:
entweder musste Stefan wieder mit Gewalt vom Okular entfernt werden damit die anderen auch
was vom
Himmel hatten, oder Kurt lästerte über meinen astibehafteten Spiegel worauf ich meist
mit einem
von ihm noch nicht gesehenen Objekt konterte <gg> Klaus dagegen spendete
zwischendurch immer mal eine
Runde Kaffee was bei 4° minus auch wirklich gut tat, so war fürs geistige und leibliche
Wohl stets gesorgt.
Gegen 2:30 verließen wir dann schließlich den Platz um den Rückweg anzutreten.
Sternenfreundliche Grüße
Roland